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Krebs

Krebs ist ein Überbegriff für bösartige Neubildungen (maligne Tumoren) und beschreibt das daraus resultierende Krankheitsbild. Es handelt sich also nicht um ein einheitliches Krankheitsbild sondern um einen Oberbegriff für weit mehr als hundert verschiedene Krankheiten.

Die menschlichen Organe bestehen aus Gewebe, das aus einer Vielzahl von Zellen aufgebaut ist. Die unterschiedlichen Zellen charakterisieren in ihrem Verbund das Aussehen und die Funktion des jeweiligen Organs. So gibt es zum Beispiel Leberzellen, Magenzellen oder Hautzellen. Diese Zellen teilen sich in kontrollierten Zeitabständen, damit das Organ in seiner Form und Funktion erhalten wird.

Kommt es nun zu einer genetischen, also die Erbmasse betreffenden Veränderung der Zelle, teilt sie sich plötzlich ungehemmt und rasch, frisst sich dabei in das umliegende gesunde Gewebe hinein und zerstört es: Es entsteht ein so genannter bösartiger Tumor, die Krebsgeschwulst - auch Malignom genannt.

Je nach Ursprung der Zellen spricht man von einem Karzinom, zum Beispiel dem Magenkarzinom, oder von den selteneren Sarkomen, zu denen unter anderem bösartige Muskeltumoren zählen. Ein dritter Tumortyp sind die so genannten Hämoblastosen, die von den Zellbestandteilen des Blutes und der blutbildenden Organe ausgehen. Bekanntester Vertreter sind die Leukämien.

Die veränderten, entarteten Zellen erfüllen keine Funktion. Sie zerstören und ersetzen vielmehr die gesunden Zellen, so dass das betroffene Organ in seiner Funktion immer mehr beeinträchtigt wird. Auf diese Weise kann es sich zum Beispiel im Verlauf einer Leberkrebserkrankung plötzlich oder allmählich ein Leberversagen entwickeln.

Mit dem Blutstrom oder über die Lymphbahnen kommt es häufig zur Ausschwemmung von Tumorzellen in den ganzen Körper (Metastasierung). Die ausgeschwemmten Tumorzellen siedeln sich dann in den anderen Organen an, teilen sich dort ungehemmt weiter und bilden auf diese Weise neue Tumoren. Diese Absiedelungen nennt man Tochtergeschwülste (Metastasen) des ursprünglichen Tumors, des so genannten Primärtumors. Die einzelnen Krebsarten bevorzugen häufig typische Metastasierungswege. So findet man oft Lebermetastasen beim Dickdarmkrebs, oder Knochenmetastasen beim Brustkrebs. Im schlimmsten Fall ist der ganze Körper mit Krebstumoren übersät. Der Volksmund spricht dann vom Streukrebs.

Je mehr Organe vom Krebs befallen sind, und je mehr ihre Funktion dadurch beeinträchtigt wird, desto schwieriger gestaltet sich die Therapie, desto schlechter stehen die Chancen für eine Heilung, und desto kürzer prognostiziert man die Lebenserwartung.

Im Gegensatz zu den bösartigen (malignen) Wucherungen zeigen gutartige (benigne) Tumoren keine Absiedelung in andere Organe. Sie wachsen vielmehr an Ort und Stelle, dehnen sich oft nur langsam und verdrängend aus, fressen sich in der Regel also nicht ins umliegende Gewebe. Aus diesem Grund gelten gutartige Tumoren generell als vergleichsweise ungefährlich.

Wie häufig ist Krebs?

Krebserkrankungen sind nach den Herz-/ Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Etwa 230.000 Menschen starben laut Statistik im Jahr 2003 an den Folgen bösartiger Tumoren. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin erkrankten im Jahr 2004 circa 200.000 Männer und etwa 195.000 Frauen neu an Krebs. Tendenz steigend.

Mit einem Anteil von ungefähr 25 Prozent an allen sämtlichen Todesfällen werden Krebserkrankungen nur noch von den Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigstem Sterbegrund übertroffen. Viele Untersuchungen und Beobachtungen weisen darauf hin, dass Lebens-, Ess- und Genussmittelgewohnheiten die Häufigkeit mehrerer Krebserkrankungen wesentlich beeinflussen.

Welche Vorbeugungsmöglichkeiten gibt es?

Durch die Senkung von krebsfördernden Einflüssen kann eine Krebsprävention erzielt werden. So reduziert eine Verminderung der Zufuhr von z.B. Nitrosaminen in der Nahrung oder polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (z.B. in Nahrung, Tabakrauch) die Krebswahrscheinlichkeit. Außerdem verfügt der Körper über gewisse Schutzmechanismen, die eine maligne Entartung von Zellen verhindern. Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand lassen sich diese Schutzmechanismen durch eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse, die eine antioxidative Wirkung besitzen, in ihrer Effektivität fördern.

Wer kann an Krebs erkranken?

Warum Krebs entsteht und weshalb der eine daran erkrankt und ein anderer sein Leben lang davon verschont bleibt, ist bis heute nicht ganz geklärt. Grundsätzlich kann sich bei jedem Menschen ein bösartiger Tumor entwickeln. Man kennt jedoch bestimmte Faktoren, die das Risiko, eine Krebserkrankung zu bekommen, zum Teil deutlich erhöhen.

So fördert das Rauchen vor allem die Entstehung von bösartigen Wucherungen des Atemtraktes wie Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs. Auch mit Blasen- oder Bauchspeicheldrüsentumoren wird Tabakkonsum in Verbindung gebracht. Leberkrebs, Magen- und Speiseröhrenkrebs treten oft nach jahrelangem übermäßigem Alkoholgenuss auf. Bestimmte Gifte wie das Benzol können in hohen Dosen zu einer Leukämie (Blutkrebs) führen.

Strahlen wie Röntgen- oder UV-Strahlen werden gelegentlich für Haut- und andere Krebsarten verantwortlich gemacht.

Ebenso können Viren oder Bakterien eine Rolle bei der Entstehung von malignen Tumoren spielen. Eine Infektion mit dem Hepatitis B- oder C-Virus löst zunächst zu eine Leberentzündung aus, die dann später in Leberkrebs münden kann. Magenkrebs entsteht oft durch das Helicobacter-Pylori-Bakterium auf dem Boden einer Magenentzündung (Gastritis). Menschen, die an bestimmten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie der Colitis ulcerosa leiden, erkranken im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung häufiger an Darmkrebs.

Das Immunsystem, also die körpereigene Abwehr, scheint bei der Entstehung einer Krebserkrankung eine entscheidende Rolle zu spielen. Bei Immunschwächen wie AIDS kommen gehäuft bösartige Lymphdrüsentumoren und auch das so genannte Kaposi-Sarkom vor.

Eine vorausgegangene Chemotherapie, die zur Behandlung einer Krebserkrankung durchgeführt wurde, kann ihrerseits Krebs auslösen. Die Medikamente, die bei einer solchen Therapie eingesetzt werden, greifen auch die gesunden Körperzellen an, verschlechtern die allgemeine Abwehrlage des Patienten und können deshalb selbst "kanzerogen” (krebsauslösend) wirken.

Darüber hinaus werden bei einer falschen Ernährung mit unzureichender Vitaminzufuhr sowie mit zunehmendem Alter Krebserkrankungen häufiger beobachtet.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das persönliche Krebsrisiko durch den Verzicht auf Rauchen, übermäßigen Genuss von Alkohol und übertriebene Sonnenbäder sowie durch eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung deutlich gesenkt werden kann.

Doch nicht alle Krebserkrankungen lassen sich einer eindeutigen Ursache zuschreiben. Ein Teil entsteht aus nicht beeinflussbaren Gründen. Eine besondere Bedeutung kommt hier auch erblichen Komponenten zu, denn bestimmte Krebserkrankungen treten familiär gehäuft auf.

Warum ist die Krebsfrüherkennung so wichtig?

Regelmäßige Krebs-Früherkennungs-Untersuchungen, auch Krebsvorsorge- Untersuchungen genannt, haben das Ziel, einen bereits vorhandenen Krebs rechtzeitig zu erkennen und zu heilen, bevor er sich ausbreitet und lebensbedrohlich wird. Die Früherkennungs-Untersuchungen sind deshalb von großer Bedeutung, weil im Frühstadium die meisten Krebserkrankungen behandelbar und in der Regel auch heilbar sind. Leider verursachen viele Tumoren erst im Spätstadium starke Beschwerden, also zu einem Zeitpunkt, an dem es für eine Therapie schon zu spät sein kann. Ein Beispiel: Die Mehrzahl aller Frauen, die mit einem ausgedehnten, weit fortgeschrittenen und nicht mehr heilbaren Gebärmutterhalskrebs zur Behandlung kommen, war noch nie oder schon lange nicht mehr beim Frauenarzt.

Zu den Zukunftsaussichten bei der Verringerung der Zahl der Krebstoten sagt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg: "Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen und medizinischen Kenntnisstand sind weitere Fortschritte vor allem durch Krebsprävention - das heißt Vorbeugung und Erkennen von Vorstufen der Erkrankung - zu erreichen." Experten gehen davon aus, dass sich ein Viertel aller krebsbedingten Todesfälle durch optimale Vorsorge verhindern lässt.

Aus diesem Grund kann man jedem Menschen nur dringend ans Herz legen, das gesetzliche Krebsfrüherkennungs-Programm zu nutzen.

Die gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen sind kostenfrei.

Folgende Untersuchungen hält der Gesetzgeber bereit:

  1. Ab dem Alter von 20 Jahren kann jede Frau einmal jährlich eine Untersuchung der inneren und äußeren Geschlechtsorgane und eine Abstrichuntersuchung von Gebärmutterhals bzw. Muttermund durchführen lassen. Ungewöhnliche Veränderungen der Geschlechtsorgane oder der entnommenen Zellen können auf eine Krebserkrankung hinweisen.

Neben der Inspektion, also dem Anschauen und Beurteilen der äußeren Geschlechtsorgane hinsichtlich möglicher Auffälligkeiten, führt der Frauenarzt eine Untersuchung der inneren weiblichen Organe durch. Dabei benutzt er ein so genanntes Spekulum. Durch das Einbringen des Spekulums in die Scheide bekommt der Arzt Einsicht auf den Muttermund der Gebärmutter und sieht, ob hier krankhafte Veränderungen vorliegen. Er kann zudem Abstriche vom Muttermund entnehmen und diese mikroskopisch auf Zellveränderungen, auch im Sinne einer Krebserkrankung, untersuchen.


Bei der Tastuntersuchung des inneren weiblichen Genitale beurteilt der Arzt mit dem Finger Knoten oder Formveränderungen von Scheide, Gebärmutter und teilweise auch der Eierstöcke.

  1. Ab dem Alter von 30 Jahren kann jede Frau einmal im Jahr ihre Brüste und die Achselhöhlen durch ihren Frauenarzt abtasten lassen.

Knötchen oder Verhärtungen können auf eine Krebserkrankung der Brust hindeuten. Wichtig für jede Frau ist auch die regelmäßige Selbstuntersuchung ihrer Brüste, am besten einmal im Monat. Seit diesem Jahr ist die Mammografie (Röntgenuntersuchung der Brüste) ebenfalls in das gesetzliche Programm zur Früherkennung von Krebs aufgenommen worden, für Frauen ab dem 50. Lebensjahr.

Auch Männer sollten in jedem Alter auf die Signale ihres Körpers achten, um Zeichen einer möglichen Krebserkrankung zu erkennen. Obwohl die meisten Krebserkrankungen bevorzugt im höheren Lebensalter auftreten, betreffen einige davon, zum Beispiel der Hodenkrebs, speziell jüngere Generationen. Spätestens ab dem Alter von 45 Jahren sind deshalb auch für Männer jährliche Krebsfrüherkennungsuntersuchungen durch den Arzt dringend empfohlen. Die Kosten für die wichtigsten Untersuchungen werden von den Krankenkassen voll übernommen. Im Vorsorgeprogramm für Männer enthalten sind die Prostatatastuntersuchung, die Austastung des Enddarmes, ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl..

  1. Ab dem Alter von 50 Jahren hat jeder Mann rechtlichen Anspruch auf eine jährliche Abtastung des Darms durch den Arzt und ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl. Ungewöhnliche Veränderungen der Darmwand deuten unter Umständen auf Darmpolypen hin und machen genauere Untersuchungen notwendig. Ebenso können schon mit bloßem Auge nicht sichtbare Blutspuren im Stuhl auf krankhafte Wucherungen und Geschwüre hinweisen.
  2. Seit dem 1. Oktober 2002 haben Versicherte ab dem Alter von 55 Jahren zusätzlich Anspruch auf eine Darmspiegelung (Koloskopie), die frühestens zehn Jahre nach der ersten (unauffälligen) Untersuchung wiederholt werden kann. Diese neue Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen soll eine wichtige Säule in der Früherkennung von Darmkrebs darstellen. Früh erkannt, hat Darmkrebs nämlich eine sehr gute Prognose.

Sollten jemand Auffälligkeiten oder Unregelmäßigkeiten bemerken, können die genannten Untersuchungen selbstverständlich jederzeit erfolgen. Die Bedeutung anderer Untersuchungsverfahren zur Krebsfrüherkennung wie immunologische, genetische oder enzymatische Stuhl- und Bluttests, muss naturwissenschaftlich noch geklärt werden; daher gehören sie in der Regel nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Wie macht sich Krebs bemerkbar?

Es gibt relativ unspezifische körperliche Anzeichen (Symptome) für eine Krebserkrankung, die aber auch Ausdruck vieler anderer und harmloser Krankheiten sein können. Dennoch ist es wichtig, die Symptome beim Arzt abklären zu lassen um eine bösartige Ursache auszuschließen.

Zu den allgemeinen und unspezifischen Beschwerden, die im Rahmen einer bösartigen Tumorerkrankung auftreten können, zählen Schwäche und Abgeschlagenheit, ständige Müdigkeit und ein plötzlicher Leistungsknick. Hinzu können Fieber, eine erhöhte Schweißneigung oder nächtliches Schwitzen kommen. Eine unklare und ungewollte rasche Gewichtsabnahme bedarf auf jeden Fall immer einer genauen Abklärung. Appetitlosigkeit, eine plötzliche Abneigung gegen bestimmte Speisen wie Fleisch, Geschmacksstörungen, Schluckstörungen und zunehmende Übelkeit oder Erbrechen können ebenfalls Hinweise auf eine Tumorerkrankung geben.

Eine plötzliche Veränderung des Stuhlverhaltens, zum Beispiel der Wechsel von Durchfällen und Verstopfung, Blut- oder Schleimauflagerungen im Stuhl oder ein unwillkürlicher Stuhlabgang bei vormals kontinenten Personen sollten Anlass geben, sofort den Arzt aufzusuchen. Hinter Schmerzen, ob diffus oder an einer bestimmten Körperstelle, kann auch ein Tumor stecken.

Plötzliche Blutungen sollten immer ernstgenommen und dringend abgeklärt werden. Sie können ein Hinweis für die Erkrankung eines speziellen Organs sein. So muss beim Auftreten von Blut im Stuhl der Magen-Darm-Trakt gründlich untersucht werden. Blutig gefärbter Urin gibt Hinweise auf Nieren- oder Blasenerkrankungen. Blutungen aus der Scheide, vor allem solche, die in oder nach den Wechseljahren der Frau auftreten, sowie Blutungen aus der Brustwarze müssen umgehend dem Frauenarzt vorgestellt werden. Ferner ist länger als drei bis vier Wochen andauernder hartnäckiger Husten mit Heiserkeit und vor allem mit blutigem Auswurf dringend abklärungsbedürftig.

Hautveränderungen wie veränderte Muttermale, Warzen, Ekzeme oder schlecht heilende Wunden sowie Knoten und sonstige sicht- und tastbare Veränderungen sollte ein Arzt beurteilen. Dazu gehören auch plötzliche Lymphknotenschwellungen. Neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Empfindungsstörungen muss man ebenso ernst nehmen wie eine plötzliche Gelbsucht, hinter der sich neben einem vergleichsweise harmlosen Gallenstein auch ein bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse verbergen kann.

Wie stellt der Arzt fest, ob es sich wirklich um Krebs handelt?

Viele Menschen scheuen den Weg zum Arzt aus Angst, an Krebs erkrankt zu sein. Sie wollen diesen Gedanken lieber verdrängen als mit einer eindeutigen Diagnose konfrontiert zu werden. Ein solches Verhalten wirkt sich im Falle einer tatsächlich bösartigen Tumorerkrankung oft aber leider sehr negativ auf die Heilungsaussichten aus.

Wichtig ist zunächst zu klären, ob es sich wirklich um einen Tumor handelt, und festzustellen, ob er gutartig oder bösartig ist. Bestehen Hinweise auf Krebs, muss die genaue Lokalisation des Tumors im Körper erfolgen. Viele weitere Fragen stehen an: Um welche Krebsart handelt es sich? Wie weit ist die Erkrankung fortgeschritten? Sind Lymphknoten befallen, oder haben sich Tochtergeschwülste in anderen Organen abgesiedelt?

Welche Behandlung den wahrscheinlich größten Erfolg bringt, hängt auch vom Allgemeinzustand und möglichen Vor- oder Begleiterkrankungen wie Herzschwäche, Zuckerkrankheit oder Bluthochdruck ab. Unter Berücksichtigung aller durch die Diagnostik erhaltenen Ergebnisse wird dann entschieden, welche therapeutischen Maßnahmen dem Kranken am besten helfen.

Die gängigsten Untersuchungsverfahren zur Abklärung einer Krebserkrankung werden im Folgenden erklärt:

Die Anamnese

Zunächst führt der Arzt ein ausführliches Gespräch, um Informationen über den allgemeinen Gesundheitszustand zu erfragen sowie gezielte Auskünfte über die aktuellen Beschwerden zu erhalten. Dieses Gespräch nennt man die Anamnese.

Dabei schildert der Patient zu Beginn, warum und aufgrund welcher Beschwerden er den Arzt aufgesucht hat. Bestehen zum Beispiel Schmerzen, fragt der Arzt nach der Intensität der Schmerzen, ihrer genauen Lokalisation, ob sie in andere Körperregionen wie den Rücken oder die Schulter ausstrahlen, ob die Schmerzen eher stechenden, stumpfen, krampfartigen oder brennenden Charakter haben, wie lange die Schmerzen schon bestehen, ob sie dauerhaft oder nur in bestimmten Situationen (z. B. nach dem Essen) auftreten, und vieles mehr.

Bei einem ausführlichen Anamnesegespräch wird eine Reihe weiterer Fragen gestellt. Dazu gehört die Frage nach dem Gewicht und der Gewichtsentwicklung. Nimmt jemand innerhalb weniger Wochen mehr als drei bis vier Kilogramm zu oder ab, muss dies immer abgeklärt werden. Denn der Gewichtsverlust kann auf einem bösartigen, aber auch einem entzündlichen Prozess beruhen. Eine starke plötzliche Gewichtszunahme entsteht häufig durch eine Wassereinlagerung in den Beinen oder auch im Bauch, die durch eine Herz- oder Nierenschwäche, oder auch durch eine Tumorerkrankung verursacht sein kann.

Appetitstörungen geben Hinweise auf den allgemeinen Gesundheitszustand, der auch seelisch beeinflusst wird. Bei schweren Krankheiten fehlt aber fast immer der Appetit, weshalb die Frage danach ebenso wichtig ist wie nach Übelkeit, Erbrechen und dem Stuhlgang. Hinsichtlich des Stuhlgangs interessieren die Häufigkeit der Entleerung, abnormer Geruch, die Konsistenz, das Volumen, die Farbe, eventuelle Blut-, Schleim- oder Eiterauflagerungen sowie Schmerzen oder Missempfindungen beim Absetzen des Stuhls. Plötzliche Änderungen des Stuhlgangs sollten immer abgeklärt werden. Der Arzt erkundigt sich auch nach zu häufigem Wasserlassen, Schmerzen oder Missempfindungen sowie nach der Farbe des Urins.

Husten, Heiserkeit und Auswurf sind Zeichen einer Erkrankung der Atemwege. Der Ursache von über mehreren Wochen bestehendem Husten und des von manchen Rauchern als "normal" angesehenen "Raucherhustens" muss nachgegangen werden. Hinsichtlich des Auswurfs interessieren insbesondere die Auswurfmenge, die Farbe und der Geruch. Blutiger Auswurf kann Zeichen einer schweren Erkrankung sein.

Schlafstörungen können viele Ursachen haben. Man unterscheidet Ein- und Durchschlafstörungen. Nächtliches Schwitzen, das manchmal so stark sein kann, dass der Pyjama mehrfach gewechselt werden muss, kommt bei Infekten, aber auch bei Tumorerkrankungen vor. Von einem plötzlichen Leistungsknick, Schwächezuständen, Erschöpfung und ständiger Müdigkeit sollte der Patient dem Arzt im Anamnesegespräch unbedingt berichten. Das gilt auch für wiederholt auftretende Bewusstseinsstörungen, sowie für Probleme mit der Sexualität oder der Menstruation.

Personen, die wegen einer Erkrankung bereits vorbehandelt sind, sollten zum Anamnesegespräch immer die Medikamente oder eine Liste der Medikamente dabei haben, die sie regelmäßig einnehmen. Die aktuellen Beschwerden könnten durch eine Unverträglichkeit oder durch Nebenwirkungen dieser Arzneimittel entstanden sein. Auch im Hinblick auf die weitere Behandlung, einen Krankenhausaufenthalt oder eine mögliche Operation ist es für den Arzt wichtig, die Medikamente seines Patienten zu kennen.

Wahrheitsgemäße Angaben sollten man machen, wenn es um den Konsum von Alkohol und Tabak geht. Bei einer konsumierten Menge von mehr als 10 bis 20 Gramm Alkohol pro Tag über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren, ist mit der Entstehung einer alkoholbedingten Erkrankung zu rechnen. Dazu gehören Schädigungen von Leber und Bauchspeicheldrüse, Gehirn und Herz und vielen anderen Organen. Der Zusammenhang zwischen Rauchen und der Entwicklung schwerer Erkrankungen gilt als gesichert. Frühere Krankheiten, Operationen, Unfälle oder Verwundungen sind ebenfalls von Bedeutung. Dabei gilt es zu beachten, inwieweit die früheren Erkrankungen mit den jetzigen Beschwerden in Verbindung stehen.

Da einige Krankheiten familiär gehäuft vorkommen, ist auch die Familiengeschichte wichtig. Es könnte eine Veranlagung für Krankheiten in der Familie wie Zuckerkrankheit, hohe Cholesterinwerte (Blutfette), Arterienverkalkung oder Bluthochdruck vorliegen. An Krebs erkrankte oder daran verstorbene Angehörige sollte man unbedingt erwähnen. Von Bedeutung kann ebenfalls sein, ob ein Familienmitglied an ähnlichen Beschwerden leidet.

Sollte man tatsächlich schwer erkrankt sein, ist es für den Arzt wichtig zu wissen, wer sich um den Betroffenen kümmert, ob er seinen Beruf weiter ausüben kann und vieles mehr. Ein Problem besteht vor allem bei schwerkranken Menschen, die nicht zu hause versorgt werden können. Einfluss auf die Krankheit könnte auch etwas privat oder beruflich stark Belastendes haben. Dies sollte man dem Arzt ebenfalls mitteilen.

Die körperliche Untersuchung

Der Arzt verschafft sich zunächst einen Gesamteindruck über das allgemeine körperliche Befinden, indem er die Größe und das Gewicht, die Farbe der Haut, die Körpertemperatur, den Puls und die Atmung beurteilt sowie den Blutdruck misst.

Dann untersucht er die einzelnen Körperregionen und Organe. Oft beginnt die Untersuchung am Kopf. Hier werden die für die Empfindung und die für die Mimik wichtigen Nerven beurteilt, der Hals auf mögliche Lymphknoten und die Größe und Konsistenz der Schilddrüse abgetastet. Dann leuchtet der Untersucher in die Augen, um den Pupillenreflex zu testen, anschließend in den Mund, um dort nach möglichen Veränderungen zu schauen. Bestehen Beschwerden im Kopfbereich, fällt die Untersuchung entsprechend ausführlicher aus. Unter Umständen führt ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt noch einige weitere Untersuchungen, zum Beispiel der Stimmbänder, durch.

Dann beklopft der Arzt die Lungen und hört sie anschließend mit dem Stethoskop ab. Dabei beurteilt er das Atemgeräusch. Dann werden die Herzgeräusche mit dem Stethoskop abgehört. Störungen des Herzrhythmus oder ungewöhnliche Geräusche der Herzklappen lassen sich so feststellen.

Bei der Untersuchung des Bauches liegt der Patient auf dem Rücken. Leber, Milz und die anderen Bauchorgane werden abgetastet, abgeklopft und hinsichtlich ungewöhnlicher Größe, Beschaffenheit oder Schmerzhaftigkeit beurteilt. Die Darmgeräusche können ebenfalls mit dem Stethoskop abgehört werden. Zu jeder gründlichen Untersuchung gehört auch die Enddarmuntersuchung, die so genannte rektale Palpation. Dabei dringt Arzt mit dem Finger in den After ein und achtet dabei auf mögliche Knoten, Einrisse oder Tumoren sowie Blut- oder Schleimbeimengungen. Da sich die Mehrzahl aller Dickdarmkarzinome im Enddarm befindet, kann durch eine einfache rektale Untersuchung schon der Großteil der bösartigen Tumore diagnostiziert werden.

Es folgen weitere Untersuchungen, zum Beispiel die Beurteilung des Rückens mit der Wirbelsäule, der Arme und Beine hinsichtlich Motorik, Sensibilität und Reflexen sowie der Gelenke. Außerdem wird der gesamte Körper hinsichtlich vergrößerter Lymphknoten untersucht.

Die Blutabnahme

Viele Erkrankungen führen zu Veränderungen in der Zusammensetzung des Blutes. Um die Entwicklung der Erkrankung kontrollieren zu können, muss im Rahmen der Diagnostik zu Beginn und im Verlauf der Therapie wiederholt Blut abgenommen werden. Häufig ist die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie der Blutplättchen (Thrombozyten) verändert. Zur Beurteilung einer Krankheit achtet man außerdem auf typische Entzündungszeichen, die Blutgerinnung, den Eisengehalt des Blutes, verschiedene Elektrolyte wie Natrium oder Kalium sowie auf veränderte Werte bestimmter Zellenzyme.

Eine wichtige Rolle bei Krebserkrankungen besitzen auch die so genannten Tumormarker. Tumormarker sind Eiweiße, die in Krebszellen produziert werden und sich bei bestimmten Krebserkrankungen häufig im Blut nachweisen lassen. Sie sind allerdings nicht uneingeschränkt aussagekräftig, denn sie kommen auch bei Gesunden vor. Ihr Fehlen kann einen bösartigen Tumor außerdem nicht sicher ausschließen. Tumormarker werden deshalb nicht in erster Linie zur Diagnostik, sondern vor allem Verlaufskontrolle einer Krebserkrankung herangezogen. Ist zum Beispiel der Wert des beim Darmkrebs typischen Tumormarkers CEA zu Beginn der Erkrankung stark erhöht, und fällt er dann im Verlauf ab, spricht dies für eine Verminderung der Tumormasse, was als Zeichen für den Therapieerfolg zu werten ist. Bei einer erneuten Erkrankung (Rezidiv) steigen die Tumormarker in der Regel wieder an, worauf bei den Blutuntersuchungen im Rahmen der Krebsnachsorge geachtet wird.

Röntgenuntersuchungen

Röntgenaufnahmen des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) dienen der Beurteilung von Herz und Lungen. Dies ist besonders wichtig im Hinblick auf eine eventuell bevorstehende Operation. Außerdem können mit dieser Methode Lungenmetastasen einer Krebserkrankung nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden.

Röntgenbilder des Bauchraums (Röntgen-Abdomen) liefern unter anderem wichtige Informationen über mögliche Verengungen, Aussackungen, Überblähungen oder Tumoren des Darmes.

Ultraschall (Sonografie)

Ultraschalluntersuchungen erlauben Einblick in das Innere des Körpers, ohne ihn dabei zu verletzen oder zu belasten. Sie sind nicht schmerzhaft und können beliebig oft wiederholt werden. Bestimmte Kriterien im Ultraschall weisen auf eine eher bösartige, andere auf eine eher gutartige Erkrankung hin: Eine absolut eindeutige Aussage über Malignität oder Benignität ist mit dieser Methode jedoch nicht möglich. Besonders gut lassen sich in der Sonografie Zysten darstellen, da sie mit Flüssigkeit gefüllt sind.

Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT)

Die Computertomografie ist ein Verfahren, mit dem Schnittbilder von allen Körperregionen hergestellt werden. So lässt sich der gesamte Körper im Querschnitt darstellen. Eine weitere, der Computertomografie ähnliche Untersuchungsmethode steht mit der Kernspintomografie bzw. Magnetresonanztomografie (MRT) zur Verfügung, die anders als die CT mit Magnetfeldern arbeitet.

Einige Veränderungen wie bestimmte Tumoren lassen sich mit dem CT oder dem MRT besser darstellen als im Ultraschall, da die Ausdehnung eines Tumors und seine Beziehung zu den Organen und dem Gewebe in der Nachbarschaft beurteilt werden können. Außerdem dient die Computertomografie ebenso wie die Kernspintomografie der Metastasensuche und dem Nachweis vergrößerter oder befallener Lymphknoten.

Die Szintigrafie

Knochenmetastasen, also Tumorabsiedelungen in den Knochen, können mit Hilfe einer Skelett-Szintigrafie aufgespürt werden. Dabei bekommt der Patient ein schwach radioaktives Kontrastmittel verabreicht, das sich auf bestimmte Weise im Knochen anreichert. Reichert sich das Kontrastmittel an einigen Stellen verstärkt an, kann dies auf Metastasen hinweisen.

Szintigrafien werden auch bei der Untersuchung der Schilddrüse durchgeführt. So kann der Arzt beurteilen, ob ein Knoten hormonaktiv ist (heißer Knoten), oder ob er keine Schilddrüsenhormone produziert (kalter Knoten). Eine verstärkte Anreicherung des radioaktiv markierten Kontrastmittels im Knoten spricht für einen heißen, hormonproduzierenden meist gutartigen Tumor. Unter den bösartigen Schilddrüsentumoren finden sich häufiger kalte Knoten.

Spiegeluntersuchungen (Endoskopie)

Einsicht in Hohlorgane wie den Magen, den Darm oder die Harnblase erhält man mit Hilfe so genannter Endoskope (Spiegelgeräte). Dabei wird entweder ein flexibler Schlauch oder ein starres Rohr mit einer Kamera und einer Lichtquelle in das entsprechende Organ eingeführt, beleuchtet und betrachtet.

Bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie) führt der Arzt das Endoskop über den Mund durch die Speiseröhre bis in den Magen ein. Vor der Untersuchung bekommt der Patient gewöhnlich ein leichtes Beruhigungsmittel.

Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) bzw. einer Enddarmspiegelung (Rektoskopie) wird das Endoskop in den After eingeführt und in die Darmschlingen hochgeschoben. Für diese Untersuchung muss der Darm völlig leer sein; deshalb erfolgt eine abführende Vorbereitung des Darmes.

Spiegelungen können auch von der Harnblase (Zystoskopie), von der Gebärmutter (Kolposkopie, Hysteroskopie) und der Lunge (Bronchoskopie) durchgeführt werden. Die Spiegeluntersuchungen erlauben es, Tumoren, Blutungsquellen und andere Veränderungen im Inneren der Organe zu erkennen. Im Rahmen dieser Untersuchungen werden häufig auch Gewebeproben (Biopsien) entnommen.

Abstrich und zytologische Untersuchung

Von oberflächlichen Schleimhäuten können Abstriche gemacht werden. Mit einem Watteträger entnimmt der Arzt schmerzlos eine Probe und beurteilt das Gewebe anschließend unter dem Mikroskop. Dabei zeigen sich unter Umständen Zellveränderungen, Zellbestandteile sowie Bakterien oder Ähnliches. Abstriche entnimmt man zum Beispiel von der Mundschleimhaut. Der Frauenarzt führt sie im Rahmen der Krebsuntersuchung vom Gebärmutterhals der Patientin durch.

Die mikroskopische Betrachtung nennt man zytologische Untersuchung. Zytologische Untersuchungen können auch an Sekreten oder Flüssigkeiten durchgeführt werden. Hat sich zum Beispiel im Verlauf einer Erkrankung Bauchwasser (Aszites) oder Lungenwasser (Pleurawasser) gebildet, kann man es mit einer Nadel abpunktieren und anschließend untersuchen.

Gewebeentnahme (Biopsie) und histologische Untersuchung

Eine genauere Methode um die Diagnose zu sichern, ist die Gewebeentnahme (Biopsie). Mit einer Nadel oder Biopsiezange wird ein kleines Gewebestück entnommen, das ein Arzt anschließend unter dem Mikroskop hinsichtlich Gutartigkeit oder Bösartigkeit beurteilt. Dies nennt man histologische Untersuchung.

 


Was versteht man unter dem Tumorstadium?

Die TNM-Klassifikation

Therapie und Prognose einer Krebserkrankung werden hauptsächlich vom Grad der Ausbreitung, dem Tumorstadium, bestimmt. Das Stadium, in dem sich der Krebs befindet, wird international nach dem so genannten TNM-System klassifiziert. Dabei steht T als Kürzel für Tumor, also für die Größe und Ausdehnung der bösartigen Geschwulst. Angefügt wird das Suffix 0 bis 4. T1 beschreibt demnach einen sehr kleinen Tumor mit besserer Prognose als ein großer, möglicherweise schon in die umliegenden Organe eingewachsener Tumor im Stadium T4.

Der Buchstabe N gibt in der TNM-Klassifikation das Ausmaß der von Krebszellen befallenen Lymphknoten an. Nodulus ist der lateinische Begriff für Lymphknoten. Im Stadium N0 sind gar keine Tumorzellen in den Lymphknoten nachweisbar, wohingegen das Stadium N3 für einen ausgedehnten Lymphknotenbefall spricht.

M steht für Metastasen und gibt an, ob der Krebs gestreut und Tochtergeschwülste in anderen Organen abgesiedelt hat. M0 bedeutet, dass keine Metastasierung stattgefunden hat, M1 spricht für den Nachweis von Tochtergeschwülsten als weiteres Zeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung.

Wie kann Krebs behandelt werden?

Grundsätzlich unterscheidet man einen kurativen von einem palliativen Therapieansatz. Das Hauptziel kurativer Therapien ist die Heilung des Patienten. Dazu gehört die vollständige Entfernung des Tumors. Nach einer erfolgreichen Behandlung dürfen also keine Metastasen oder befallene Lymphknoten mehr nachweisbar sein. Es sollte dann auch zu keinem Wiederauftreten der Krebserkrankung (Rezidiv) kommen.

Eine palliative Therapie verfolgt hingegen nicht mehr das Ziel der Heilung des Patienten, sondern die Verbesserung seiner Lebensqualität. Dazu zählt zum Beispiel die Linderung seiner Schmerzen. Palliativ behandelt man Krebserkrankungen, bei denen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung keine Aussicht mehr auf Heilung besteht.

Zur Therapie einer bösartigen Tumorerkrankung stehen der Schulmedizin als gängigste Verfahren die Operation, die Chemotherapie, die Strahlentherapie und in manchen Fällen auch eine Hormontherapie zur Verfügung. Die Wahl der Behandlungsmethode wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Dazu zählen die Art der Krebserkrankung sowie die Größe, der Sitz und die Ausbreitung des Tumors. Die Therapieverfahren können einzeln oder auch kombiniert eingesetzt werden.

Spezialisten in der Behandlung einer Tumorerkrankung sind Onkologen.

Gemeinsam mit dem Arzt, der den Patienten ausführlich über die bevorstehende Therapie aufklärt, wird die Behandlung besprochen und hinsichtlich des Nutzens und der Risiken abgewogen. Thema sollten auch mögliche alternative Behandlungsmethoden sein. Wenn man im Gespräch mit dem Arzt etwas nicht verstanden hat, ist es wichtig nachzufragen. Sollte man unsicher sein, empfiehlt es sich, eine weitere ärztliche Meinung einzuholen. Allzu lange darf man mit der Entscheidung zu einer Therapie allerdings nicht warten, da eine Krebserkrankung schnell fortschreitet und sich die Prognose damit zunehmend verschlechtert.

Junge Frauen, bei denen noch ein dringender Kinderwunsch besteht, sollten sich genau über die Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Therapie informieren, denn einige Methoden der Krebsbehandlung ziehen eine Unfruchtbarkeit nach sich.

Die Operation

Das Ziel einer kurativen Operation besteht darin, das vom Krebs befallene Gewebe möglichst vollständig zu entfernen. Dabei muss häufig bis ins gesunde Gewebe geschnitten werden. Dies verlangt gegebenenfalls. die Entfernung weiterer vom Tumor befallener Organe und Lymphknoten.

Wie bei jeder Operation gibt es bei Eingriffen zur Krebsbehandlung Risiken und Komplikationen. Als Grundsatz gilt: Je umfangreicher die Operation und je mehr Gewebe und Organe vom Krebs befallen sind, desto mehr Komplikationen und Beschwerden können auftreten. Auch hier muss vor und während der Operation der Nutzen, also die Heilung des Betroffenen, im Vordergrund stehen. Es kann zu Verletzungen von anderen Organen, von Nerven und Blutgefäßen kommen, die Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen können. Infektionen, vor allem im Bereich der Wunde, sind möglich. Schlimmstenfalls kommt es zu einer Blutvergiftung, einer Sepsis. Blutgerinnsel (Thrombosen und Embolien) sind in der Regel selten. Nach der Operation können Verwachsungen entstehen, die insbesondere bei größeren Bauchoperationen gelegentlich zu Darmverschlüssen führen und dann eine Nachoperation erforderlich machen. Über die Risiken der Narkose klärt vor der Operation ein Narkosearzt auf (Anästhesist). Er bespricht mit dem Patienten das individuelle Risiko und passt die Narkose entsprechend an. Alle Risiken und Komplikationen sind insgesamt sehr selten und sollen kein Anlass zu starker Beunruhigung sein. Da sie jedoch vorkommen, muss man auf jeden Fall Bescheid wissen.

Die Chemotherapie

Medikamente, die bei einer Chemotherapie zur Behandlung einer Krebserkrankung eingesetzt werden, nennt man Zytostatika. Dabei handelt es sich um Zellgifte, die Krebszellen eher angreifen als gesunde Zellen. Sie wirken vor allem auf sich teilende Zellen. Da sich Krebszellen sehr rasch und häufig teilen, werden sie durch Chemotherapeutika also bevorzugt zerstört.

Zytostatika können einzeln als Monotherapie oder kombiniert in so genannten Schemata verabreicht werden. Oft ist dafür ein Krankenhausaufenthalt notwendig. In einigen Fällen wird die Therapie auch ambulant durchgeführt. Die Zeiträume, in denen die Medikamente verabreicht werden, bezeichnet man als Zyklen, zwischen denen Pausen (Intervalle) liegen. Diese Pausen geben dem Körper Gelegenheit, sich von der Chemotherapie zu erholen.

Denn leider wird nicht nur bösartig entartetes, sondern auch gesundes Gewebe durch die Zellgifte beschädigt. Im Prinzip kann also jedes Organ mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen werden.

Durch eine Knochenmarks-Schädigung kommt es zu Blutarmut mit einem erhöhten Blutungsrisiko und einer erhöhten Infektionsgefahr. Übelkeit, Erbrechen und allgemeine Abgeschlagenheit sind häufige Begleiterscheinungen einer Chemotherapie. Auch werden allergische Reaktionen beobachtet. Schleimhautschäden führen zu Entzündungen des Zahnfleisches, des Magens und des Darms mit Durchfällen. Oft leiden Krebspatienten unter dem durch die Therapie ausgelösten Haarausfall. Organe wie das Herz, die Nieren und die Blase, die Leber und die Lungen können beschädigt und in ihrer Funktion eingeschränkt werden. Auch kann es wegen der keimzellschädigenden Wirkung einiger Zytostatika zu Unfruchtbarkeit und Impotenz kommen. Die Zellgifte haben ihrerseits eine gewisse krebsauslösende (kanzerogene) Wirkung.

Die Strahlentherapie

Auch die Strahlentherapie verfolgt im kurativen Ansatz die vollständige Beseitigung des Tumors und wird häufig im Anschluss an eine Operation durchgeführt, um auch das restliche, operativ nicht erfasste Tumorgewebe zu zerstören. Röntgenstrahlung in bestimmter Dosierung verursacht Zellschäden, von denen sich gesunde Zellen jedoch schneller erholen, da sie über bessere Reparaturmechanismen verfügen. Tumorzellen, die primitiver und anfälliger sind, sterben dagegen ab.

Da auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird, bleiben Nebenwirkungen nicht aus. Man unterscheidet frühe und späte Strahlenschäden. Ein sehr frühes Zeichen ist der so genannte Strahlenkater, eine typische Reaktion des Körpers auf die plötzliche Strahlenbelastung mit Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen. Die Beschwerden verschwinden in der Regel nach dem Ende der Therapie schnell wieder. Durch die Strahlenbelastung kommt es vor allem zu Reizungen der Haut und der Schleimhäute. Die Folge sind Entzündungen des Zahnfleischs, der Speiseröhre, des Magens, des Darms und der Harnblase. Es kann auch zu einer Lungenentzündung kommen. Entzündung der Darmschleimhaut äußern sich mit Bauchschmerzen, Krämpfen und blutig-schleimigen Durchfällen. Strahlenschäden an der Haut (Strahlendermatitis) ähneln einem Sonnenbrand.

Die Hormontherapie

Bestimmte Krebsarten wie der Gebärmutterschleimhautkrebs oder der Prostatakrebs können mit einer Hormontherapie erfolgreich behandelt werden. Die Tumorzellen dieser Krebsarten verfügen über so genannte Hormonrezeptoren, über die Hormone das Wachstum der Krebszellen beeinflussen.

Je nach verabreichtem Hormon können sich unerwünschte Begleiterscheinungen ähnlich den Wechseljahresbeschwerden mit Hitzewallungen, Depressionen oder Müdigkeit einstellen. Eine vermehrte Wassereinlagerung (Ödeme), Gewichtszunahme und Schäden an verschiedenen Organen, vor allem der Leber, können auftreten. Durch die Hormonbelastung kann es außerdem zu Störungen von Libido und Potenz kommen.


Wie ist die Prognose?

Die Prognose einer Krebserkrankung ist individuell und von Krebsart zu Krebsart sehr unterschiedlich. Sie kann nie mit hundertprozentiger Sicherheit angegeben, sondern eigentlich nur aus Erfahrungswerten geschätzt werden.

Zum einen ist die Prognose entscheidend abhängig vom Stadium, in dem sich der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose befindet. Dabei sind der Differenzierungsgrad des Tumors, seine Größe und Ausdehnung, ein möglicher Lymphknotenbefall und die Frage nach Metastasen in anderen Organen von großer Bedeutung.

Auch das Alter und der Allgemeinzustand des Betroffenen sowie mögliche Vorerkrankungen und Begleiterscheinungen beeinflussen die Prognose und damit die Aussicht auf vollständige Heilung erheblich.

Was ist nach der Therapie zu beachten?

Um ein Wiederauftreten der Krankheit (Tumorrezidiv) rechtzeitig zu erkennen, ist es wichtig, nach der Therapie regelmäßig zu den Nachsorgeuntersuchungen zu gehen. Dort werden auch mögliche Begleit- oder Folgeerscheinungen der Therapie bemerkt und behandelt. Der Arzt fragt nach dem bisherigen Verlauf der Erkrankung, dem allgemeinen Befinden und schließt eine gründliche körperliche Untersuchung an. Der Arzt kann auch ein Ansprechpartner für seelische und soziale Probleme sein, die nach der Krebserkrankung möglicherweise auftreten.

Die Nachsorgetermine werden mit dem Arzt vereinbart. In der Regel finden in den ersten zwei Jahren nach der Therapie alle drei bis vier Monate Nachsorgeuntersuchungen statt, dann halbjährlich. Nach fünf Jahren sollte noch einmal im Jahr eine gründliche Krebsnachsorge durchgeführt werden. Bemerkt der Patient in dieser Zeit irgendetwas Auffälliges oder Ungewöhnliches, muss er natürlich sofort den Arzt aufsuchen.

Im Anschluss an die Therapie, häufig direkt nach dem Klinikaufenthalt, empfiehlt sich eine Anschlussheilbehandlung (AHB) in speziellen Nachsorgekliniken. Sie hilft den Patienten, sich vollständig von der Krebserkrankung zu erholen.

Wo bekommt man weitere Hilfe?

Neben der Unterstützung durch den Partner, die Angehörigen, Freunde, Kollegen und betreuenden Ärzte gibt es verschiedene weitere Möglichkeiten der seelischen und sozialen Begleitung, die dem Krebspatienten die Rückkehr in den Alltag erleichtern. Die Krebshilfe beispielsweise verfügt über umfangreiches Informationsmaterial. Hier erfährt man Adressen von Beratungsstellen, Tumorzentren, Fachkliniken für Krebs und Krebsnachsorge, Schmerzkliniken und Schmerztherapeuten.

Außerdem kennt die  Krebshilfe die Adressen vieler Selbsthilfegruppen. In den Selbsthilfegruppen bekommt man Kontakt zu anderen von der Krankheit betroffenen Menschen, mit denen man sich über die Erfahrungen mit der Krankheit, Kliniken, Ärzte, Therapien und soziale Probleme austauschen kann. Häufig wird so die Angst vor weiteren Untersuchungen und Behandlungen genommen.

Oft ist es hilfreich zu sehen, dass man nicht der einzige Kranke auf der Welt ist und es noch andere Menschen gibt, die das gleiche Schicksal teilen. Gemeinsam kann man sich Mut machen. Aus erster Hand erfährt man außerdem Informationen über soziale Hilfen, den Umgang mit Versicherungsproblemen oder Behördengängen. Dazu zählt die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises, einer Frühpension oder einer Arbeitsunfähigkeit.

 

Aktualisierung: 2009

Artikel zu: Krebs

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