Fremdkörper-Aspiration
Unter dem Begriff Fremdkörper-Aspiration versteht man das Eindringen eines Fremdkörpers, wie zum Beispiel einer Erdnuss, eines Geldstücks oder eines Spielzeugteils, in die Atemwege. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dieses Krankheitsbild auch "sich verschlucken" genannt. Beim "Verschlucken" kann der Fremdkörper in die verschiedenen Abschnitte der Luftwege gelangen. Je nachdem, in welchem Bereich der Gegenstand stecken bleibt, führt dies zu unterschiedlichen Beschwerden.
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Man unterteilt die Atemwege in einen oberen und einen unteren Bereich. Die oberen Atemwege umfassen die Nasenhöhle mit ihren Nasennebenhöhlen und den Rachen bis zum Kehlkopf. Die unteren Atemwege beginnen am Kehlkopf und setzen sich über die Luftröhre in die verzweigten Bronchien fort. Der Kehlkopf wird durch den Kehlkopfdeckel während des Schluckvorgangs verschlossen, so dass normalerweise das Eindringen von Fremdkörpern verhindert wird. Bei der Atmung öffnet sich der Kehldeckel, so dass Luft in die unteren Atemwege gelangen kann. |
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Während der Atmung können mit dem Luftstrom auch Nahrungs-Brocken oder sonstige Gegenstände aus der Mundhöhle in die Atemwege gelangen. Manche Fremdkörper bleiben aufgrund ihrer Größe im Kehlkopfbereich oder im oberen Abschnitt der Luftröhre stecken. Wenn das der Fall ist, kann der Luftweg vollständig verschlossen sein, so dass der Betroffene gar keine Luft mehr bekommt. |
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Wenn der Fremdkörper kleiner ist, kann er in die tiefen Atemwege vordringen. Von der Luftröhre geht es über den linken und rechten Hauptbronchus in die Lunge. Der rechte Hauptbronchus zweigt in einem steileren Winkel als der linke von der Luftröhre ab. Aus diesem Grund gelangen Fremdkörper in den unteren Atemwegen bevorzugt in den rechten Lungenflügel. In diesem Fall kann die restliche Lunge noch normal atmen. |
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Wer ist besonders gefährdet? |
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Zu den gefährdeten Personen gehören kleine Kinder sowie kranke und alte pflegebedürftige Menschen. Kleine Kinder bis zum vierten Lebensjahr stecken Spielzeug manchmal beim Spielen in die Nase, oder sie nehmen Sachen in den Mund, um sie zu "untersuchen". So können kleine Gegenstände in die Luftröhre gelangen. Zu den häufigsten "verschluckten" Fremdkörpern gehören Erdnüsse, Münzen, Murmeln, Nähnadeln, Legosteine oder andere kleine Spielsachen. |
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Bei manchen alten und kranken Menschen kann der Schluck-Vorgang gestört sein. Das ist besonders im Rahmen bestimmter neurologischer Krankheiten der Fall, wie zum Beispiel nach Schlaganfällen oder bei einer Parkinson-Krankheit. Bei diesen Personen ist die Gefahr gegeben, sich beim Essen zu verschlucken, so dass Stückchen von der Nahrung aspiriert, also eingeatmet werden können. |
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Welche Beschwerden können bei der Aspiration eines Fremdkörpers auftreten? |
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Ein plötzlich einsetzender Reizhusten kann durch einen Fremdkörper bedingt sein. Liegt der Fremdkörper im Bereich der Stimmlippen, kann er die Kehlkopfbewegungen erschweren und so beim Sprechen eine Heiserkeit hervorrufen. Das ist jedoch nur dann der Fall, wenn die Luftröhre oder der Kehlkopf nicht vollständig verschlossen sind und weiterhin Luft durch die Stimmlippen strömen kann. Ein kleiner Fremdkörper, der in die tiefen Lungenabschnitte gerät, verursacht manchmal nur geringe Beschwerden. In solchen Fällen wird die Aspiration oft gar nicht bemerkt. Verbleibt der Fremdkörper längere Zeit in der Lunge, kann er an den Bronchien schwere Entzündungs-Reaktionen hervorrufen. Es kann zu wiederholten Lungenentzündungen oder einer bleibenden Schädigung der Lunge kommen. Deshalb sollte einem Verdacht auf eine Fremdkörper-Aspiration immer ein Arzt aufgesucht werden. |
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Die Fremdkörper-Aspiration kann sich auch durch die Verlegung der oberen Atemwege als plötzlich einsetzende Luftnot darstellen. In manchen Fällen sind die Beschwerden nur schwer von einem Asthmaanfall oder anderen Ursachen einer Luftnot zu unterscheiden. Das gilt besonders, wenn die Situation nicht von Augenzeugen beobachtet wurde. Bei Luftnot kann der Betroffene durch den zunehmenden Sauerstoffmangel blau anlaufen und schließlich das Bewusstsein verlieren, oder es kann sich durch die Sauerstoffunterversorgung ein Herzkreislaufstillstand einstellen. |
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Die inverse Atmung (umgekehrte Atmung) ist ein Zeichen für eine Verlegung der Atemwege im Bereich der Kehlkopfes oder der Luftröhre. Hierbei kommt es bei dem krampfhaften Versuch des Einatmens zu einer Vorwölbung des Bauches. Durch den Verschluss der Luftröhre zieht sich der Brustkorb beim Einatmen gleichzeitig zusammen, anstatt sich wie bei der normalen Atmung auszudehnen. Tiefe Atembewegungen und Einziehungen im Bereich der Schlüsselbeingruben können dann während des Einatmens beobachtet werden. |
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Welche Sofortmaßnahmen müssen ergriffen werden? |
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Es ist sehr wichtig, in der bedrohlichen Situation einer Fremdkörper-Aspiration die Ruhe zu bewaren, um die notwendigen Schritte der Ersten Hilfe durchführen zu können. Beim normalen Verschlucken während des Trinken oder Essen, was jeder von uns schon einmal erlebt hat, hilft der Körper sich selbst. Durch den starken Hustenreiz wird der Fremdkörper mit Druck aus der Luftröhre befördert. Leichte Schläge zwischen die Schulterblätter des Betroffenen können das Abhusten unterstützen. |
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Bei einer Aspiration, bei der sich der Fremdkörper auf diesem Weg nicht heraus transportieren lässt, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Kleinere Kinder können an den Beinen gefasst werden, so dass der Fremdkörper sich durch leichtes Klopfen auf den Rücken löst und abgehustet werden kann. Ältere Kinder oder Erwachsene kann man mit dem Oberkörper nach unten lagern (zum Beispiel über einen Stuhl), um einen ähnlichen Effekt zu erzielen. |
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Nur wenn auch dies nicht zu einem Erfolg führt und der Betroffene starke Luftnot hat oder blau anläuft, sollte der Rettungsdienst in Deutschland mit der bundesweiten Notrufnummer 112 verständigt werden. Gleichzeitig kann mit dem Heimlich-Handgriff versucht werden, den Fremdkörper aus den Luftwegen zu pressen. Dabei wird derjenige, der sich verschluckt hat, mit beiden Armen von hinten umschlossen. Man umfasst man ihn von hinten und drückt ruckartig mit den Händen in die Magengrube. Durch diese Maßnahme steigt der Druck in den Lungen und der Luftröhre, so dass der Fremdkörper herausgeschleudert werden kann. Diese Maßnahme kann wie andere lebensrettenden Sofortmaßnahmen in Erste-Hilfe-Kursen unter fachlicher Anleitung erlernt werden. Da es durch den Heimlich-Handgriff in manchen Fällen auch zu einer Verletzung an den inneren Organen kommen kann, sollte auch dann der Arzt aufgesucht werden, wenn der Fremdkörper auf diese Weise entfernt werden konnte. |
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Konnte der Fremdkörper nicht entfernt werden, versucht das Rettungsdienst-Personal, ihn durch den Mund unter Zuhilfenahme einer langen Fasszange zu erreichen. In seltenen Fällen befindet sich der Fremdkörper im Bereich des Kehlkopfes in einer so ungünstigen Position, dass er ohne schwere Verletzungen nicht entfernt werden kann. Dann kann ein Luftröhrenschnitt notwendig sein, damit der Betroffene ausreichend mit Luft versorgt wird. |
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Wenn der Fremdkörper unterhalb der Stimmritze liegt und nicht mit der Zange gegriffen werden kann, versucht man, ihn durch künstliche Beatmung weiter nach unten in einen Hauptbronchus zu verlagern. So kann manchmal auch in scheinbar aussichtslosen Situationen das Leben des Betroffenen gerettet werden, weil so die andere Lungenseite wieder atmen kann. Der Fremdkörper wird dann im Krankenhaus durch eine Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) entfernt. |
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Welche Maßnahmen können im Krankenhaus durchgeführt werden? |
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Im Krankenhaus können mit Hilfe der Bronchoskopie Kehlkopf und Luftröhre inspiziert und der Fremdkörper unter Sicht entfernt werden. Ein Bronchoskop ist ein Gerät, dass durch den Mund oder die Nase über den Kehlkopf in die Luftröhre und die Bronchien eingeführt wird. Durch eine Optik sieht der Arzt das Innere der Bronchien. Das Gerät besitzt einen schmalen Kanal, durch den Sekret und Schleim abgesaugt oder kleine Zangen geführt werden, mit deren Hilfe dann ein Fremdkörper entfernt werden kann. |
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Auch das Anfertigen eines Röntgenbildes kann auf der Suche nach dem Fremdkörper hilfreich sein. Allerdings sind nicht alle Fremdkörper aus unterschiedlichen Materialien gleichermaßen gut auf dem Röntgenbild sichtbar. |
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Fremdkörper im Bereich des Kehlkopfes können durch eine Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) erkannt und entfernt werden. |
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Wie kann man der Fremdkörper-Aspiration vorbeugen? |
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Kleinkinder sollten möglichst nicht mit Gegenständen spielen, die kleine und ablösbare Teile besitzen. Nahrungsmittel, die ganze Nüsse oder Nussstückchen beinhalten, sind für Kinder unter vier Jahren nicht geeignet. |
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Da das Einatmen von Nahrungsbestandteilen besonders in Situationen auftreten kann, in denen Aufregung und Unruhe herrschen, sollten die Mahlzeit in Ruhe eingenommen werden. Ältere und besonders gefährdete Menschen sollten beim Essen und Trinken gut beaufsichtigt werden, um im Fall einer Fremdkörper-Aspiration schnell reagieren zu können. |





