Dekubitus
Dekubitus (lat. decubare = sich niederlegen) bezeichnet ein örtlich begrenztes Absterben (Nekrose) der Haut und manchmal auch des darunter liegenden Gewebes infolge einer Druckbelastung und dadurch bedingter Minderdurchblutung. Der Volksmund spricht auch vom Wundliegen, da ein Dekubitus vor allem Menschen betrifft, die lange Zeit im Bett liegen müssen.
Besonders anfällig sind Knochenvorsprünge. Zu den häufig betroffenen Körperstellen zählen Kreuz-, Steiß- und Sitzbein, Fersenbein, Knöcheln und Knieinnenflächen, Hüftknochen, Brustbein, Ellenbogen, Schulterblatt, Hinterkopf und Ohrmuschel.
Jedes Druckgeschwür muss ernst genommen und rechtzeitig behandelt werden. Die offene Stelle kann als Eintrittspforte für Keime (Bakterien, seltener auch Pilze) dienen und zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen. Daneben verursacht der Dekubitus selbst, aber auch das häufige Wechseln der Verbände, große Schmerzen.
Die Behandlung hängt vom Stadium der Erkrankung ab und reicht von regelmäßigen Umlagerungen, Krankengymnastik und Wundreinigung bis zur operativen Entfernung des betroffenen Gewebes und anschließender Hauttransplantation.
Wie kommt es zu einem Dekubitus?
Für die Entstehung des Hautschadens ist die Dauer des Drucks auf die entsprechende Stelle eher ausschlaggebend als die Druckstärke. Durch den Druck wird die Haut komprimiert; das Gewebe wird weniger durchblutet, wodurch die betroffenen Zellen absterben. Die Mangeldurchblutung bewirkt zusätzlich, dass saure Stoffwechselprodukte nicht abtransportiert werden - das Gewebe übersäuert. Der Körper versucht nun durch eine Weitstellung der Gefäße die betroffenen Hautareale wieder zu durchbluten, was an einer Hautrötung sichtbar ist. Es kommt zum Flüssigkeitsaustritt in das Gewebe und schließlich zur Entstehung eines Druckgeschwürs. Betroffene sind meist bettlägerige und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Patienten mit schweren Grundkrankheiten sowie ältere Menschen. Sie können keine Ausgleichsbewegungen machen, um die komprimierten Bereiche wieder zu entlasten.
Auch die so genannten „Scherkräfte" spielen bei der Entstehung eines Dekubitus eine Rolle. Darunter versteht man die Verschiebung der Hautschichten gegeneinander, wie es z. B. beim Herunterrutschen vom Bett passieren kann. Die Folge ist eine verminderte Blutzirkulation. Druckgeschwüre können entstehen.
Begünstigend auf die Entstehung eines Druckgeschwürs wirken:
- Schlechter Allgemeinzustand
- Mangelernährung
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und damit verbundene Nervenschädigung (Polyneuropathie)
- Allgemeine Abwehrschwäche
- Abwehrschwäche, die durch Medikamente (z. B. Chemotherapie) hervorgerufen wird
- Flüssigkeitsmangel durch mangelnde Zufuhr oder erhöhten Bedarf (Fieber)
- Inkontinenz
- Chronische Infekte oder Schädigungen der Haut
- Alter und Mobilität: Ältere und unbewegliche Menschen sind besonders gefährdet.
Ferner können alle Medikamente, die das Körperempfinden einschränken, sodass der Patient eine Druckstelle nicht rechtzeitig bemerkt, die Entstehung eines Druckgeschwürs beschleunigen. Dazu zählen z. B. Beruhigungsmittel oder Schmerzmedikamente. Ist die Haut ständig feucht (z. B. durch Urin oder Wundsekrete), ist sie besonders gefährdet. Besonders bei bettlägerigen Personen können falsche Lagerungs- oder Hebetechniken einen Dekubitus begünstigen. Auch Katheterschläuche oder im Bett vergessene Gegenstände können durch Druck zur Gewebeschädigung und zum Zelltod (Nekrose) führen.
Welche Erscheinungsformen können Druckgeschwüre haben?
Man unterscheidet folgende Stadien eines Dekubitus:
- Stadium I: Die Haut ist gerötet und die Rötung ist nicht wegdrückbar. Die Hautoberfläche ist noch unversehrt.
- Stadium II: Die Haut weist an der Druckstelle einen oberflächlichen Defekt auf, sodass das Unterhautgewebe frei liegt. Blasen oder Hautabschürfungen sind zu erkennen.
- Stadium III: Der Gewebeschaden reicht bis zu Knochenhaut, sodass Sehnen, Muskeln und/oder Knochen sichtbar sein können.
- Stadium IV: Es kommt zum Verlust aller Hautschichten. Auch der Knochen ist angegriffen.
Wie wird ein Dekubitus festgestellt?
Meist kann der Arzt die Diagnose aufgrund des Hautbefundes sofort stellen. Wundabstriche zu Beginn und regelmäßig im weiteren Verlauf geben wichtige Anhaltspunkte für eine angepasste und phasengerechte Behandlung.
Eventuell sind weitere diagnostische Maßnahmen wie Röntgenaufnahmen oder andere bildgebende Verfahren wie eine Kernspintomografie erforderlich, um die Knochen- und Weichteilschädigung besser beurteilen zu können.
Wie werden die Druckgeschwüre behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß des Dekubitus. Die Therapie kann mitunter mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Es gibt allgemeine Maßnahmen bei Stadium I und II, die auch der Vorbeugung des Wundliegens dienen.
Umlagern
Häufiges (alle zwei bis drei Stunden) Umlagern dient der Druckentlastung der betroffenen oder gefährdeten Stellen. Dabei ist darauf zu achten, dass Stellen, die zum Offenliegen neigen, nicht zu sehr belastet werden. Hier gibt es bestimmte erprobte Lagerungspositionen je nach Sitz des Druckgeschwürs oder gefährdeter Stelle, die auch Angehörige erlernen können.
Hautpflege
Eine geeignete Hautpflege - besonders bei alten Menschen - vermindert Scher- und Reibekräfte, welche Druckgeschwüre begünstigen.
Krankengymnastik
Krankengymnastik ist ebenfalls zur Druckentlastung und Durchblutungsförderung sehr wichtig.
Sanitär- und orthopädietechnische Hilfsmittel
Sanitär- und orthopädietechnische Hilfsmittel können viel zur Behandlung und Vermeidung offener Stellen beitragen. Dazu gehören verschiedene, für den Einzelfall geeignete Unterlagen, Fersenkappen, Gelkissen, angepasste Matratzen mit entsprechenden Aussparungen, Spezialbetten mit geeigneten Füllungen (z. B. Schaumstoff-, Wechseldruck-, statische oder dynamische Luftmatratze).
Wundreinigung und Infektionsbekämpfung
Wichtig sind regelmäßige Wundreinigung und Infektionsbekämpfung. Dabei ist die Entfernung abgestorbenen Gewebes (Debridement) unerlässlich. Zur Wundreinigung und Wundheilung stehen verschiedene phasengerechte Wundauflagen und Wundspüllösungen zur Verfügung. Da die Abheilung eines Druckgeschwürs mehrere Phasen durchläuft, ist es wichtig, die für den augenblicklichen Zustand geeignete Wundauflage zu wählen und gegebenenfalls zu einer anderen Wundauflage überzugehen.
In den Stadien III und IV bleibt manchmal nur die operative Therapie. Das Geschwür wird komplett herausgeschnitten. Manchmal muss dabei auch ein Teil des darunter liegenden Knochens entfernt werden. Die Abdeckung des entstandenen Defekts ist teilweise nur mit der Transplantation gesunden Gewebes möglich. Hierzu dienen meistens Lappen aus Muskel- und Hautgewebe.
Bei mangelernährten, ausgezehrten oder ausgetrockneten Patienten ist es sinnvoll, die fehlenden Nahrungsbestandteile oder fehlende Flüssigkeit, gegebenenfalls durch Infusionen, zu ergänzen. Manchmal ist auch der Einsatz von Schmerzmitteln erforderlich. Auch hier gibt es verschiedene schmerzangepasste Behandlungskonzepte, die speziell für den Einzelfall ausgesucht werden müssen.
Im Verlauf eines Dekubitalleidens kann es zu einer Infektion kommen, die in manchen Fällen beispielsweise innerlich zu verabreichende Antibiotika zur Bakterienbekämpfung notwendig macht. Hier helfen Wundabstriche und so genannte Blutkulturen (Anzüchtung des sich bei Blutvergiftung in der Blutbahn befindlichen Keims), um gezielt das richtige Medikament auszuwählen.
Für den Therapieerfolg ist von erheblicher Bedeutung, dass der Patient, seine Angehörigen, die Pflegefachkräfte und die behandelnden Ärzte eng miteinander zusammenarbeiten. Der Betroffene sollte so weit wie möglich in seine Behandlung miteinbezogen werden.
Wie kann man einem Dekubitus vorbeugen?
Wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung sind:
- Mobilität erhalten und Bewegungseinschränkungen vermeiden: Der Patient sollte so viele Bewegungen wie möglich alleine machen.
- regelmäßiges Umlagern
- Freilegen der Fersen
- regelmäßige Krankengymnastik
- Druckentlastende Systeme und Lagerungshilfen (z. B. Wechseldruckmatratzen) verwenden.
- Auf die richtige Hautpflege achten.
- Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sicherstellen.
Vom Verwenden von „Hausmitteln" wie das Einreiben mit Franzbranntwein ist abzuraten.
Aktualisierung: MMag. Birgit Koxeder, 2010





