Mit Supervision und Coaching gegen Mobbing
Mobbing und damit oft auch Krankenstände, Panikattacken und Depressionen gehören zum Alltag von rund 13 Prozent aller Beschäftigten. Dabei gibt es weder geschlechtsspezifische Unterschiede noch spielt die berufliche Stellung eine Rolle, zeigt eine repräsentative Befragung unter 2.000 Erwerbstätigen. Fachkundiges und effizientes Coaching bzw. Supervision sind wirksame Mittel, Mobbing vorzubeugen.
Nicht jedes verletzende Verhalten bedeutet gleich Mobbing. Finden Angriffe, Beleidigungen oder Kränkungen jedoch über eine Dauer von sechs Monaten hinweg mindestens einmal pro Woche statt und sind sie gegen eine bestimmte Person gerichtet, dann ist das - laut dem Organisationspsychologen Dieter Zapf - als Mobbing zu werten. Demnach wurden bereits 13 Prozent der Beschäftigten bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber schon einmal gemobbt, ergibt eine repräsentative Befragung des deutschen IFAK Instituts unter 2.000 Erwerbstätigen ab 18 Jahren.
Mobbing demotiviert, macht krank und kostet Geld
Mobbingopfer gehen weniger motiviert zur Arbeit und sind häufiger krank. Sie fehlen im Büro doppelt so häufig wie Beschäftigte ohne Mobbingerfahrung, zeigt die Umfrage.
Ähnliche Auswirkungen wie „echtes" Mobbing hat so genanntes negatives Führungsverhalten. Nach einer laufenden Online-Umfrage der Ruhr-Universität Bochum sind rund 56 Prozent der befragten MitarbeiterInnen mit ihren direkten Vorgesetzten unzufrieden und 23 Prozent beurteilen ihre Chefs oder Chefinnen sogar mit der schlechtestmöglichen Bewertung. Bemängelt wird eine unzureichende Sozialkompetenz der Führungskräfte wie mangelndes Einfühlungsvermögen in die MitarbeiterInnen, fehlende Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sowie schlechtes Beziehungsmanagement und das Unvermögen, MitarbeiterInnen entsprechend ihrer Fähigkeiten situationsangemessen und konstruktiv zu unterstützen. Folgen: sinkende Motivation, Krankheiten, Fehltage und die „innere Kündigung".
„Wesentlich dafür, ob in einem Unternehmen gemobbt wird oder nicht, ist das Betriebsklima", erklärt Dr. Wolfgang Knopf, Vorsitzender der Österreichischen Vereinigung für Supervision (ÖVS). Obwohl das Betriebsklima maßgeblich von den sozialen Kompetenzen der Führungskräfte und MitarbeiterInnen abhängt, wird in die Förderung der so genannten Soft Skills gerade in Krisenzeiten wie jetzt kaum investiert. „Wirtschaftlich ein großer Fehler, denn Mobbingopfer sind wesentlich häufiger im Krankenstand", findet Dr. Knopf.
Nicht zuletzt kostet Mobbing den Unternehmen Geld. Mit bis zu 410 Euro werden die Kosten eines durch Mobbing bedingten Fehltages beziffert. Zu dem finanziellen Aufwand für die Krankenstände gesellen sich „indirekte" Kosten durch Leistungsdefizite, gehäuft auftretende Fehler, Störungen in der sozialen Arbeitsgemeinschaft sowie ein Verlust an Motivation, Kreativität und Image.
Ausweg: Supervision und Coaching
„Supervision und Coaching sind moderne und effektive Beratungsmethoden, um in Begleitung einer erfahrenen Beraterin bzw. eines erfahrenen Beraters an der weiteren Professionalisierung der eigenen sozialen Kompetenz zu arbeiten und Mobbing damit wirkungsvoll vorzubeugen", erklärt Gerhard Liska, stellvertretender Vorsitzender der ÖVS.
In Einzel- oder Gruppencoachings bzw. -supervisionen wird in einem vertraulichen Setting und anhand konkreter, praxisbezogener Beispiele trainiert, die eigene Wahrnehmungsfähigkeit für sonst in der Alltagshektik untergehende Aspekte zu schärfen, auf die eigenen Gefühle zu horchen und sich der im Berufsalltag bestehenden Konfliktpotentiale bewusst zu werden.
In den Sitzungen thematisiert werden Punkte wie z. B.:
- Wie kann ich Veränderungen optimal gestalten und begleiten?
- Wie kann ich meine neue Aufgabe optimal umsetzen?
- Was sollen wir im Konflikt mit einem Kollegen/einer Kollegin tun?
- Wie kann ich mich besser gegenüber unrealistischen Forderungen abgrenzen?
- Wie bereite ich mich auf das kommende Konfliktgespräch vor?
- Es gibt Probleme, weil unser Team eine Sonderstellung in der Organisation hat. Wie können wir damit umgehen?
- Wie können wir die Kommunikation in unserem Team wieder in Fluss bringen?
Für die Qualität der beiden Beratungsformen sorgt die Österreichische Vereinigung für Supervision (ÖVS), der rund 1.200 eingetragene SupervisorInnen in ganz Österreich angehören. www.oevs.or.at/
SupervisorInnen
- eröffnen Perspektiven, die einen neuen Blick auf anstehende Probleme ermöglichen.
- vereinbaren Ziele, Rahmenbedingungen und Arbeitsschritte
- bearbeiten die vereinbarten Themen auf vielfältige Weise. Sie bedienen sich dabei der Erkenntnisse unterschiedlicher Fachdisziplinen wie z. B. der Berufs- und Organisationssoziologie oder der humanistischen Psychologie.
- verwenden verschiedene Techniken, z. B. aus der Gestalttherapie, Gruppendynamik oder Tiefenpsychologie.
Autorin: Dr. Gabriela Gerstweiler





