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FSME: bleibendes Risiko

Zecke auf Haut WikipediaDie Gefahr der durch Zecken übertragenen FSME hält an, auch wenn die Zahl der Infektionen von Jahr zu Jahr stark schwankt. Zudem breiten sich die FSME-Risikogebiete aus. Eine spezifische Behandlung der Erkrankung gibt es bislang nicht, wohl aber eine sehr effektive Maßnahme zu ihrer Vorbeugung: die FSME-Impfung. So lauten die neuesten Erkenntnisse der ISW-TBE (International Scientific Working Group on Tick-Borne Encephalitis).

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virusinfektion des zentralen Nervensystems, die - Schätzungen zufolge - bei bis zu 58 Prozent der Infizierten zu langfristigen neurologischen Schäden wie zum Beispiel Sprachstörungen, Konzentrationsproblemen oder Lähmungen führt. Rund zwei Prozent sterben an den Folgen der Erkrankung. Als besonders gefährdet gelten ältere Menschen und Kinder.

Senioren: häufigere Infektionen - häufiger schwere Verläufe

FSME tritt vermehrt bei älteren Menschen auf. Bei ihnen verläuft die Erkrankung oft schwerer als bei jüngeren. Ursachen: Einerseits pflegt die europäische 50plus Generation einen aktiven Lebensstil mit Reisen und Aktivitäten im Freien, was ein erhöhtes Infektionsrisiko nach sich zieht. Andererseits ändert sich mit zunehmendem Alter der Organismus, was Prof. Beatrix Grubeck-Loebenstein vom Österreichischen Institut für Biomedizinische Alternsforschung folgendermaßen erklärt: „Wenn wir älter werden, altert auch unser Immunsystem. Dieser Alterungsprozess erhöht unsere Anfälligkeit für verschiedene Erkrankungen. Altersbezogene Veränderungen in den T-Zellen - das sind Immunzellen, die unserem Körper helfen, mit Virusinfektionen oder Krebszellen fertig zu werden - können schädliche Konsequenzen für unsere Gesundheit haben. Diese Veränderungen geschehen aufgrund degenerativer Veränderungen in der Thymusdrüse, dem Organ, in dem T-Zellen heranreifen". Da die Antikörper produzierenden B-Zellen ebenfalls von Alterungsprozessen betroffen sind, ändert sich auch die Wirksamkeit von Impfungen bei Senioren.

Kinder: hohe Enzephalitisgefahr

Obwohl die FSME bei Kindern oftmals leichter verläuft als im Erwachsenenalter, entwickeln rund 30 Prozent eine Enzephalitis, die mit Beeinträchtigungen wie Koordinations- Sprachstörungen, Verwirrtheit und kognitiven Defiziten, selten auch mit Krämpfen und Lähmungen, einhergeht. Die Infektion hinterlässt bei etwa zwei Prozent der Kinder neurologische Langzeitschäden.

FSME in Europa: Ausbreitung der Risikogebiete und große Jahresschwankungen

Der Klimawandel bedingt günstigere Lebensbedingungen für Zecken. Deshalb breiten sich die Tierchen und damit die FSME-Infektionen in Gebiete aus, wo sie früher eher selten zu finden waren: in Richtung Norden (Skandinavien) und in höhere Gebirgslagen.

Gleichzeitig unterliegen die Erkrankungsfälle großen jährlichen Schwankungen ohne einheitlichen Trend. „Im Jahr 1996 haben Europa und Russland 12.733 Fälle von FSME gemeldet - die höchste jährliche Zahl an Neuerkrankungen in den 18 Jahren zwischen 1990 und 2007. Im Jahr 2007 lag die Zahl der Erkrankungen bei lediglich 5.462 gemeldeten Infektionen", erklärt Professor Jochen Süss vom Friedrich-Löffler-Institut in Jena und ergänzt: „In der Schweiz, Slowenien, Deutschland und der Tschechischen Republik sind die FSME-Fälle seit 2004 kontinuierlich gestiegen und gipfelten 2006 in der höchsten Zahl an registrierten Erkrankungsfällen seit dem Jahr 1991. Allerdings sind auch in diesen Ländern die Fälle im Jahr 2007 drastisch gesunken".

Einzig wirksamer Schutz: Impfung

Prof. Dr. Franz Xaver Heinz, Virologe an der Universität Wien, erklärt die positiven Auswirkungen der FSME-Impfung: „Daten aus Österreich zeigen, dass die Wirksamkeit der FSME-Impfung zur Verhinderung von Infektionen bei 99 Prozent liegt. Zeitgleich mit der Zunahme der Impfrate in Österreich ist die Zahl der jährlichen Infektionsfälle mit FSME von 700 in der Zeit vor Einführung der Impfung auf 100 Fälle pro Jahr in den vergangenen Jahren gesunken". Nachbarländern mit ähnlichem Infektionsrisiko aber niedrigerer Impfrate meldeten hingegen eine zunehmende Zahl von FSME-Fällen.

Prof. Dr. Michael Kunze, Sozialmediziner und Vorsitzender der 1998gegründeten ISW-TBE, leitet daraus ab : „Die ISW-TBE fordert, die Impfung gegen FSME als standardmäßige Schutzmaßnahme einzuführen, für alle Menschen, die in endemischen Regionen leben bzw. in solche verreisen."

Autorin: Dr. Gabriela Gerstweiler, Foto 1: Richard Bartz

 

Artikel zu: Zecken
08.03.10

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