Feldenkrais – Den Körper neu erfahren
Jahrelang eingelernte Bewegungsmuster entdecken, falsche Haltungen ablegen und damit Rückenschmerzen oder Verspannungen spielend lösen. Die Feldenkrais-Methode kann helfen, Körper und Seele ohne Anstrengung neu zu "erfühlen" und das Leben zu erleichtern.
Haben Sie sich je darüber Gedanken gemacht, warum Sie sich genau so hinsetzen, gehen, liegen oder stehen, wie Sie es jeden Tag tun? Und haben Sie sich manchmal gefragt, woher diese Verspannungen und Gelenkschmerzen kommen könnten, die Sie immer öfter plagen?
Die Feldenkrais-Methode ist eine Bewegungslehr- und Lernmethode. Sie unterstützt die Suche jedes Einzelnen nach der einfachsten Art, sich zu bewegen. Es geht darum, das persönliche Wohlbefinden zu fördern, indem unnötiger Energieaufwand bei Bewegungsabläufen reduziert wird. In den Feldenkrais-Stunden erkennt jeder den Weg, der für ihn am einfachsten ist, ohne Wettbewerbsdenken oder Angst, etwas falsch zu machen.
Der weitverbreitete Glaube, alles müsse erst beschwerlich sein, um letztendlich für gut befunden zu werden, gilt bei der Feldenkrais-Methode nicht. Vorrangiges Ziel ist es, Bewegungen zu finden, die ohne besondere Kraftanstrengung ausgeführt werden; immer auf der Suche nach Mühelosigkeit.
Denn diese Mühelosigkeit ist es, die uns vor Verspannungen schützen kann, unserem Körper neue Ausdruckskraft geben und sogar Gelenksbeschwerden lindern oder vorbeugen kann.
Bewußtheit durch Bewegung und Funktionale Integration
Feldenkrais wird als Gruppen- und als Einzelarbeit durchgeführt. Die Gruppenarbeit wird als Bewußtheit durch Bewegung bezeichnet, die Einzelstunden als Funktionale Integration.
In jedem Fall führt ein ausgebildeter Trainer bzw. eine ausgebildete Trainerin durch die Feldenkrais-Stunden. Bei der Gruppenarbeit erhalten die KursteilnehmerInnen Anleitungen zu Bewegungsabfolgen. Langsam tasten sie sich an die Ihnen angenehmsten und mühelosesten Bewegungen heran. Die Methode orientiert sich an der kindlichen Bewegungsentwicklung; z.B. am Rollen, Krabbeln, sich Aufsetzen, Gehen oder Laufen.
In den Einzelstunden geben die TrainerInnen Hilfestellungen zu speziellen Problemen. So können Bewegungsabläufe optimiert werden; je nach persönlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen des Schülers.
Wer war Feldenkrais?
Der Physiker Dr. Moshe Feldenkrais (1904 - 1984) arbeitete u.a. in Paris mit Frédéric Joliot-Curie in der Atomforschung. Neben seiner Arbeit als Physiker gründete er den Judoclub de Paris und erhielt 1936 als erster Europäer den schwarzen Gürtel zweiten Grades.
Durch eine Sportverletzung begann er, sich intensiv mit Anatomie, Verhaltens- und Neurophysiologie und Psychologie zu beschäftigen. Bald befasste er sich mit dem Zusammenhang von menschlicher Entwicklung, Lernen und Bewegung. Feldenkrais übernahm die Rollen des Forschers, Praktizierenden, Lehrenden und Lernenden zugleich.
Wem nützt Feldenkrais?
Im Grunde gibt es niemanden, der Feldenkrais nicht ausüben darf. Die Methode hilft Bewegungen in Alltag, Beruf und Freizeit zu verbessern und Körper und Geist beweglich zu halten.
In erster Linie finden aber jene Menschen zu Feldenkrais, die z.B. häufig von Verspannungen geplagt sind oder Probleme mit dem Bewegungsapparat haben.
Die Anwendungsgebiete sind jedoch vielfältig: Feldenkrais dient der Gesundheitsvorsorge und der Schmerzbewältigung; kann aber ebenso die Behandlung Behinderter bereichern oder übliche Rehabilitationsmaßnahmen ergänzen - z.B. nach Unfällen oder neurologischen Erkrankungen.
Künstlerische Menschen, die sich mit Theater, Musik oder bildender Kunst beschäftigen, kann die Feldenkrais-Methode zu reicheren Ausdrucksmöglichkeiten verhelfen.
Alles in allem ist Feldenkrais eine ganzheitliche Methode, die das Lernen nie aus den Augen verliert: Lernen, dass es manchmal gerade die Mühelosigkeit ist, die uns im Leben weiterbringt.
Autorin: Bettina Benesch, Aktualisierung: Dr. Gabriela Gerstweiler





