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Foodstyling: Essen nur fürs Auge?

Makellose Früchte, kunstvoll drapierte Burger und verführerische Desserts auf Plakaten und in Werbespots lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und so manche Hausfrau wundert sich, warum ein Gericht - exakt dem Rezept nachgekocht -nicht so ganz dem Bild entsprechen will, das sie aus dem Kochbuch anlacht. Foodstyling heißt das Geheimnis, mit dem Speisen für Werbezwecke möglichst appetitlich „zurechtgeschminkt" werden. Scheinbare Leckereien, die in Wirklichkeit meist ungenießbar sind.

Seidentofu mit Sojasauce Wikipedia Eistee 2 Wikipedia Caramelcreme Wikipedia

Food Styling, das optische Aufputzen von Speisen und Getränken, dient der Fotografie für Werbezwecke. Die mit viel Vorbereitung und Akribie ästhetisch drapierten Lebensmittel sollen Frische und guten Geschmack suggerieren, dabei natürlich wirken und vor allem zum Kauf animieren. Das zu fotografierende Objekt wird so präsentiert, dass möglichst alle Bestandteile gut sichtbar sind.

Ein zeitintensives Unterfangen, dem frische Lebensmittel nicht standhalten, denn sie besitzen die unerwünschte Eigenschaft, ihr Erscheinungsbild nicht lange beizubehalten. Was also tun, wenn das Eis davon rinnt oder das Salatblatt welkt?

Das Zauberwort lautet Dummys. Ihre Ausgangsbasis können echte Lebensmittel sein oder sie werden aus unterschiedlichen Materialien wie Glycerin, Holz, Latex, Styropor oder Wachs erschaffen. Sie lassen sich gut gestalten und fixieren, sodass ihnen auch stundenlanges, heißes Scheinwerferlicht nichts anhaben kann.

Dummys sind das Werk von Spezialisten, den Foodstylisten, die zugleich oft auch ausgebildete Köche oder Konditoren sind.

Von Frischkäse-Eis und Kunstharz-Schokolade

Ein besonders kurzlebiges Produkt ist Speiseeis, es schmilzt schneller als es fotografiert werden kann. Kein Problem für den Foodstylisten. Eine Masse aus Frischkäse und Speisestärke, dazu Farbe nach Bedarf - daraus lassen sich köstlich und zugleich authentisch wirkende Eisdesserts kreieren, die auch hohen Temperaturen trotzen.

Schokolade ist ebenfalls nicht sehr wärmebeständig. Ausweg: Sie nachbilden aus Kunstharz, das seine Form auch im Scheinwerferlicht beibehält.

Doch auch Bratbares bedarf der Nachhilfe, soll es fotogen aussehen. Ein Brathuhn zum Beispiel, frisch aus dem Rohr, verliert alsbald an Konsistenz und damit an Ästhetik. Die Lösung liegt in der Verwendung eines rohen Huhns, das ein pralles und saftiges Aussehen erhält, indem es ausgestopft wird, die Keulen und Flügel angenäht, die Haut mit Farbe und Öl eingerieben, zuletzt kurz im Ofen gebraten bis zur Entstehung der gewünschten knusprigen Haut. In Wirklichkeit roh und ungenießbar, aber lange so wirkend, als ob es frisch vom Grill käme.

Auch die an den Gläsern kalter Getränke perlenden, im Naturzustand unbeständigen Wassertropfen lassen sich imitieren: Das Glas mit Autopolitur behandeln, eine Mischung aus destilliertem Wasser, Glyzerin und Silikon draufsprühen - nach Verdunsten des Wassers bleiben die Tropfen aus Glyzerin und Silikon bestehen. Ein einladendes, frisches Getränk wird suggeriert.

All diese Tricks wirken relativ simpel, erfordern aber viel Know-how, Schönheitssinn und vor allem viel Geduld für die stundenlange Prozedur der Aufbereitung, bis das behandelte Objekt endlich die gewünschte Gestalt angenommen hat.

Das Auge isst mit

Eigentlich weiß es jeder, der den vielleicht lecker schmeckenden, aber optisch nicht besonders ansprechenden Inhalt eines Fertiggerichts mit dem farbenprächtigen Bild auf seiner Verpackung vergleicht: Hier ist geschönt worden.

Doch: Der erste Eindruck zählt und der findet sich nun mal auf der Verpackung. Wer überlegt da schon lang, ob die appetitlich und ästhetisch anmutenden Gerichte mit Hilfe von Autopolitur, Sekundenkleber und Co. zustande gekommen sind?

Dekorative Gerichte für Auge und Gaumen

Dass genussvolles Essen nicht nur mit dem Geschmack des Zubereiteten zu tun hat, weiß jeder Koch, der Wert darauf legt, dass seine Künste Anklang finden. Optisch ansprechend und delikat schließen einander ja nicht aus.

Genau genommen betreibt jeder, der ein festliches Mahl auftischt, Foodstyling. Wie schnell und einfach das gehen kann, zeigt z. B. Spitzenkoch Oliver Hoffinger mit seinen stylishen Rezepten:

http://www.puls4.com/kochmitoliver/Foodstyling-Shrimps-mit-Fruehlingsblaetterstroh/community_/kochmitoliver/bericht/2866?selected_category_id=48

http://www.puls4.com/kochmitoliver/Foodstyling-Minutensteak-mit-Suesskartoffel-und-kn/community_/kochmitoliver/bericht/2867?selected_category_id=48

http://www.puls4.com/kochmitoliver/Foodstyling-Vanillebirne-mit-Schoko-Minzblaetter/community_/kochmitoliver/bericht/2868?selected_category_id=48

Autorin: Dr. Gabriela Gerstweiler

 

08.02.10

Online gestellt von Gabriela Gerstweiler   151 mal aufgerufen
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